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Lexikon der Klebetechnik

Ein Ingenieur bei 3M erfindet das Klebeband

1923 erfuhr Richard G. Drew, Ingenieur bei 3M, von dem Problem, fertiggestellte Teile bei zweifarbigen Autolackierungen abzudecken. Zwei Jahre lang experimentierte er unter anderem mit pflanzlichen Ölen, Harzen und Gummi. 1925 präsentierte er sein erstes Ergebnis. Das nur an den Rändern mit Klebstoff beschichtete Trägermaterial aus Krepppapier haftete jedoch nicht ausreichend. Drew verbesserte sein Klebeband, indem er das Trägermaterial vollständig beschichtete. Fünf Jahre später erfand er das erste transparente Klebeband. Gedacht war es für den Verschluss von Cellophanverpackungen.

Abbindezeit

Zeitspanne, innerhalb der die Klebung nach dem Fügen eine für die bestimmungsgemäße Beanspruchung erforderliche Festigkeit erreicht.

Abrollkraft

Kraft, die benötigt wird, um das Klebeband von der Rolle zu ziehen. Die Abrollkraft steht nicht im direkten Verhältnis zur Klebekraft, sondern ist abhängig von der Rückseitenbeschichtung des Trägerfilms. Die Annahme „Geringe Abrollkraft = geringe Klebekraft“ ist falsch. Synthesekautschuk-Klebebänder haben eine geringe Abrollkraft. Sie können manuell mit geringem Kraftaufwand und maschinell ohne Vorabzug verarbeitet werden.

Acrylkleber

Polymerisierte Acrylestermonomere sind die chemische Basis der Acrylatkleber. In der Regel werden Kunstharze beigemischt. Diese Kleber können entweder in Lösungsmitteln oder in wässrigen Dispersionen gelöst sein. Die herausragenden Eigenschaften von Acrylklebern liegen in hoher Alterungs- und Temperaturbeständigkeit und Unempfindlichkeit gegen UV-Strahlung und Oxidation.

Acrylatklebstoff

Synthetischer Klebstoff, bei dem die Rohstoffe in einer Wasserdispersion aufgelöst werden. Die Dispersion wird auf den Trägerfilm aufgetragen und die Flüssigkeit in einem Ofen verdampft. Der Film mit dem angetrockneten Klebstoff kann dann auf Rollen gewickelt werden.

Adhäsion

Bindekräfte an der Grenzfläche zwischen dem zu klebenden Werkstoff und dem Klebstoff.
Adhäsion (lat. adhaerere „anhaften“) auch Adhäsions- oder Anhangskraft genannt, ist der Zustand einer Grenzflächenschicht, die sich zwischen zwei in Kontakt tretenden kondensierten Phasen ausbildet. Durch molekulare Wechselwirkungen in der Grenzflächenschicht wird ein mechanischer Zusammenhalt der beteiligten Phasen hervorgerufen. Diese Kräfte sind nicht alle vollständig erforscht, weshalb es verschiedene Adhäsionstheorien gibt. Die Adhäsionskraft zählt neben der Kohäsionskraft zu den Bindungskräften. Geht die Adhäsionskraft zwischen zwei Schichten verloren, tritt der so genannte Adhäsionsbruch ein.

Alterungsbeständigkeit

Alle Klebebänder altern, das heißt, sie verändern ihre Eigenschaften stärker je länger sie gelagert werden. Diese chemisch-physikalischen Veränderungen setzen nicht unbedingt die Brauchbarkeit des Klebebandes herab. Manche Kleber weisen nach der Alterung höhere Kohäsionswerte auf. Innerhalb der ersten sechs Monate sollte jedoch bei Klebebändern keine messbare Veränderung der Eigenschaften auftreten. Sind nach 12 Monaten keine negativen Eigenschaften messbar, spricht man von einer guten Alterungsbeständigkeit. Die meisten unserer Klebebänder erfüllen auch nach mehrjähriger Lagerung noch ihren Einsatzzweck.

Mechanische Adhäsion

Grundlage für die Theorie der mechanischen Adhäsion sind Verklammerungen eines Klebstoffs in die mikroskopisch kleinen Poren und Vertiefungen eines festen Körpers. Früher war dies der einzige Erklärungsversuch für die Adhäsion, diese Theorie begründet jedoch nicht den Zusammenhalt zwischen einem Festkörper mit glatter Oberfläche und Klebstoff.

Adhäsion bei Klebstoffen

Adhäsion umfasst die Haftkräfte an den Kontaktflächen zweier unterschiedlicher oder gleicher Stoffe durch Molekularkräfte. Die Stoffe können sich in festem oder in flüssigem Zustand befinden. Im Bereich der Klebstoffe versteht man unter Adhäsion die Haftung von Klebschichten an den Fügeteiloberflächen. Die Vorgänge bei der Adhäsion sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sie gestalten sich besonders schwierig, weil die Abhängigkeiten zwischen den Klebstoffsystemen und den verschiedenen Fügeteiloberflächen sehr komplex sind.

Anfangsklebkraft

Bezeichnet die sofortige Haftung eines Klebebandes, erlaubt aber keine Aussage über Qualität oder Eignung eines Klebebandes.

Anfassklebkraft

Die empfundene Klebkraft eines Klebebands beim Anfassen, auch Daumentest genannt. Gibt nur bedingt Auskunft über die Qualität eines Klebebands. Ein „weicher“ Klebstoff wie Acrylat fühlt sich zwar klebrig an, hat aber eine geringere Kohäsion und daher auch geringere Scherkräfte. Ein „härter“ eingestellter Klebstoff wie Synthese-Kautschuk (Hotmelt) klebt stärker und behält die Klebkraft länger.

Basis (Grundstoff)

Klebstoffbestandteil, der die Eigenschaften des Klebstoffs wesentlich bestimmt.

Bedruckbarkeit

Bezeichnet die Fähigkeit eines Klebebands zur Aufnahme von Farbe, ohne sich nach dem Auf- und Abrollen optisch zu verändern. Fast alle unsere Klebebänder sind bedruckbar, sprechen Sie uns an.

Bündelungsklebeband

Das Klebeband wird durch eine Vorbehandlung der Trägerfolie verstärkt. Das Ergebnis ist eine verbesserte Reißkraft bei mittlerer Dehnung.

Butylkleber

Dieser Kleber besteht aus einer Isobutylen- und Naturkautschukmischung. Darin sind Rußpartikel eingelagert. Ein hoher Vernetzungsgrad wird bei unseren Bändern durch Heißkalandrierung erreicht. Somit ist auch höchste Alterungsbeständigkeit und Eignung für langfristige Anwendung im Außenwitterungsbereich gegeben. Besondere Vorteile unserer Butylkleber sind ferner hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Oxidation sowie die einzigartige Eigenschaft des Kaltverschweißens (siehe Kaltverschweißung).

Dichte

Raumgewicht. Die Materialmenge im Verhältnis zur Volumeneinheit. Die Dichte wird im Gewicht eines Kubikmeters (Raumgewicht) angegeben. Im Klebebandbereich ist nur die Dichte von Schaumstoffträgern von Bedeutung.

Dichtigkeit

Die Eigenschaft eines Materials, durchdringenden Fremdstoffen oder Energien Widerstand entgegenzusetzen. Von großer Bedeutung ist im Klebebandbereich die Dichtigkeit der Träger gegen Chemikalien, Feuchtigkeit und Gase.

Dispersion

Die Feinstverteilung sehr kleiner Festkörper im Wasser. Im Klebebandbereich sind Acryl- und Acrylatkleber-Dispersionen von sehr großer Bedeutung.

Dispersionsklebstoff

Klebstoff, der sich durch Verdunsten des Wassers verfestigt.

Durchschlagspannung

Der Widerstand, den ein Isoliermaterial fließendem Strom bis zum Durchschlag entgegensetzt. Die Durchschlagspannung wird in Volt gemessen.

Ergiebigkeit

Klebbare Fläche pro Gewichts- oder Volumeneinheit oder andere geeignete Verbrauchsangabe. Die Ergiebigkeit ist abhängig von Werkstoffoberfläche und Auftragsverfahren.

Einreißfestigkeit

Die Festigkeit des Trägermaterials gegen das Einreißen quer zur Laufrichtung des Klebebands. Eine gute Einreißfestigkeit ist nur durch die Verwendung von Verstärkungsfäden erreichbar.

Elektrolytischer Korrosionsfaktor

Die mögliche Korrosionswirkung eines Klebebandes auf ein anderes Material. Zur Messung des Faktors wird das Klebeband auf eine Kupferfolie geklebt. Tritt keinerlei Korrosion auf, erhält das Klebeband den Elektrolytischen Korrosionsfaktor 1. Bei Korrosion erhält das Klebeband einen Korrosionsfaktor unter 1, der sich dann, je nach Umfang der festgestellten Korrosion, weiter vermindert.

Faservlies

Faservlies besteht aus nur in Längsrichtung liegenden natürlichen oder synthetischen Fasern, wobei diese durch Klebstoff oder durch Verpressung und Hitze einen Verbund bilden. (z. B. Papiertaschentücher)

Festkörper

Der gewichtsmäßige Anteil eines Stoffs, der nach Entfernen der flüchtigen Anteile unter festgelegten Prüfbedingungen zurückbleibt.

Filamentklebeband

Das Klebeband wird durch eine zusätzliche Filamentlage verstärkt. Das Ergebnis ist eine sehr hohe Reißkraft bei geringer Dehnung.

Flachkrepp

Wird benötigt zum Abkleben bei Lackierarbeiten, zum Bündeln und Kennzeichnen. Flachkrepp besteht aus Papier, das in der Regel einseitig auf der Oberfläche lackiert oder imprägniert ist. Die Dicke des Bandes beträgt in der Regel max. 0,2 mm. Flachkrepp lässt sich um bis zu 15 % seiner ursprünglichen Länge bis zu seinem Zerreißpunkt ausdehnen.

Flammpunkt

Niedrigste Temperatur, bei der sich aus einer Flüssigkeit Dämpfe in solcher Menge entwickeln, dass sie entflammbar sind.

Fügeteil

Körper, der an einen anderen Körper geklebt werden soll oder geklebt ist.

Gefahrenklasse nach VbF

Die Verordnung über brennbare Flüssigkeiten (VbF) regelt die Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten nach Gefahrenklasse (A1 – 3B). Die VbF ist Bestandteil der Arbeitsstoffverordnung, die Lagerung, Transport und Kennzeichnung regelt.

Geräuscharmes Verkleben

Acrylat- und Naturkautschuk-Klebebänder sind geräuscharmer abzuwickeln als Synthesekautschuk-Klebebänder.

Grundstoff (siehe Basis)

Härter

Stoffe oder Gemisch von Stoffen, die dem Klebstoff zugesetzt bzw. beigemischt werden und die Härtung des Klebstoffs über eine chemische Reaktion bewirken.

Härtezeit

Zeitspanne vom Auftragen bzw. Mischen bis zur vollständigen Härtung des Klebstoffs.

Haftvermittler (Primer)

Substanzen, die die Adhäsions- und Alterungseigenschaften von Klebverbindungen verbessern.

Heißschmelzkleber

Diese Kleber bestehen aus trockenen, nicht klebenden Kunstharzen, die durch hohe Temperaturen von 130° C bis 180° C aufgeschmolzen werden und nach dem Erkalten einen hohen Grad von Klebrigkeit und Klebkraft behalten. Vorteile des Hot-Melt-Klebers liegen in seiner sehr hohen Klebkraft bei Normaltemperaturen, seine Nachteile in Empfindlichkeit gegenüber Temperaturen über 40° C und UV-Strahlung, mangelnder Resistenz gegen Weichmacher und geringer Alterungsbeständigkeit. Durch Beimischungen werden diese negativen Eigenschaften jedoch vermindert. Dadurch können Hotmelt-Kleber zum Beispiel weitgehend weichmacherbeständig werden.

Hochkrepp

Ein Papierband, stark geleimt, in der Regel nicht lackiert, das sich um mindestens 40 % seiner ursprünglichen Länge bis zu seinem Zerreißpunkt ausdehnen lässt.

Hotmeltklebstoff

Anderer Name für Synthesekautschuk.

Isolierstoffklassen

Klebebänder, die im Elektrobereich eingesetzt werden, werden entsprechend ihrer Dauerhitzebelastbarkeit in Temperaturbereiche, auch Wärmeklassen genannt, von „Y“ bis „H“ eingeteilt. Die einzelnen Klassen bedeuten:
Klasse Y einen Dauertemperaturbereich bis 95° C
Klasse E einen Dauertemperaturbereich bis 120° C
Klasse B einen Dauertemperaturbereich bis 130° C
Klasse F einen Dauertemperaturbereich bis 155° C
Klasse H einen Dauertemperaturbereich bis 180° C
Rückschlüsse auf andere technische Eigenschaften der Klebebänder können aus der Zuordnung zu einer Isolierstoffklasse jedoch nicht gezogen werden.

Isolierung

Die teilweise oder völlige Abschirmung eines Gegenstandes gegen äußere Einflüsse wie Feuchtigkeit, Hitze, Kälte, Schall, Staub sowie elektrischen Strom.

Kalander

Maschine mit über- oder hintereinander angeordneten schweren, meist beheizten Walzen, mit denen Oberflächen von Trägermaterialien geglättet und Kleber auf eine gewünschte, sehr präzise Schichtdicke ausgewalzt werden. Auch Filme höchster Reißfestigkeit werden durch Verstreckung, häufig biaxial, auf Kalandern produziert, z. B. Strapping Tape.

Kaltverschweißung

Butylkleber besitzen die Eigenschaft, sowohl auf sich selbst als auch auf nahezu jeder anderen Oberfläche sofort und absolut nicht mehr ablösbar zu kleben. Dies nennt man eine Kaltverschweißung. Sogar bei leicht verschmutzten und leicht feuchten Oberflächen ist noch eine gute Verklebung möglich. Auf silikonisierten Oberflächen ist eine Kaltverschweißung jedoch nicht möglich.

Kautschukkleber

Bestehen aus zermahlenem und dann mit Lösungsmitteln wie Benzin vermischtem Naturkautschuk. Dabei löst sich der Gummi auf und eine zähe Klebmasse entsteht. Hohe Klebkraft und sehr gute Scherfestigkeit zeichnen diesen Kleber aus. Nachteile: Durchschnittliche Temperatur- und Alterungsbeständigkeit sowie mangelnde Resistenz gegen UV-Strahlung und Empfindlichkeit gegen niedrige (unter 10° C) als auch erhöhte (ab 50° C) Temperaturen.

Klebspanne

Zeitspanne, innerhalb der nach Auftrag des Klebstoffs die Klebung vorgenommen werden kann bzw. muss.

Klebfläche

Die zu klebende oder geklebte Fläche des Fügeteils.

Klebfreizeit

Maximale Zeit, die vom Ende des Mischens bis zum Zeitpunkt, an dem die Masse nicht mehr klebrig ist, verstreichen kann.

Klebfuge

Zwischenraum zwischen zwei Klebflächen, der durch Klebstoff ausgefüllt wird.

Klebkraft

Die Kraft, die benötigt wird, um ein auf eine Oberfläche aufgeklebtes Klebeband wieder abzuziehen. Um vergleichbare Werte zu erzielen, wird bei Laborversuchen nach festen Normen geprüft: So wird ein 25 mm breites Klebeband auf eine polierte Stahlplatte geklebt und dann mit konstanter, festgelegter Geschwindigkeit im Winkel von 180° abgezogen und die dafür benötigte Kraft in kp oder N gemessen.

Klebrigkeit

In der Regel hat ein sich sehr „klebrig“ anfassendes Material keine innere Festigkeit, also keine Kohäsion. Honig ist hierfür das beste Beispiel. Trotzdem wird für raue, unebene und staubige Untergründe häufig ein sehr klebriges Material benötigt. Die Klebrigkeit wird durch den Kugeltest gemessen (siehe Kugeltest).

Klebschicht

Abgebundene oder noch nicht abgebundene Klebstoffschicht zwischen zwei Fügeteilen.

Klebstoff

Nichtmetallischer Werkstoff, der Fügeteile durch Flächenhaftung und innere Festigkeit (Adhäsion und Kohäsion) verbinden kann, ohne dass wesentliche Gefügeveränderungen im Werkstoff der Fügeteile auftreten. Klebstoff ist ein Oberbegriff und schließt andere gebräuchliche Begriffe für Klebstoffarten ein, die nach physikalischen, chemischen oder verarbeitungstechnischen Gesichtspunkten ausgewählt werden.

Kohäsion

Kohäsion (lat. cohaerere „zusammenhängen“) bezeichnet in der Physik und Chemie die Zusammenhangskräfte zwischen den Atomen beziehungsweise Molekülen innerhalb von Flüssigkeiten oder Festkörpern.
Bei Klebstoffen bezeichnet Kohäsion die Kräfte, die den Zusammenhalt des Klebstoffs bewirken. Diese Kohäsionskräfte sind zum einen für die Zähigkeit und das Fließverhalten (Rheologie) des flüssigen Klebstoffs bei der Verarbeitung, und zum anderen für die Festigkeit des ausgehärteten Klebstoffs bei seiner Beanspruchung verantwortlich. Die Kohäsionskräfte in einem Klebstoff werden durch Kennwerte wie E-Modul, Reißdehnung, Temperaturfestigkeit oder Shore-Härte beschrieben. Allgemeine Regel: Die Adhäsion sollte größer sein als die Kohäsion.

Konsistenz

Äußerer physikalischer Zustand eines Stoffs (z. B. flüssig).

Kontaktklebung

Klebung mit beidseitigem Klebstoffauftrag, bei der die Fügeteile unter Druck zusammengefügt werden, wenn die Lösemittel vollständig verdunstet sind. Anfangsfestigkeit = Endfestigkeit.

Konstruktionsklebstoff

Klebstoff, der durch chemische Reaktion abbindet und zu kräfteübertragenden Verbindungen führt. Lieferform: Film, Paste oder Flüssigkeit.

Korrosion

Beginnt zunächst auf der Oberfläche und führt schließlich zur völligen Zerstörung fester Materialien aufgrund der Einwirkung von Gasen, Säuren oder Laugen.

kp (Abk. für Kilopond)

Pond (von lat. pondus, n. = Gewicht) ist eine nicht SI-konforme Einheit des Gewichts, also eine Krafteinheit. Sie ist seit 1. Januar 1978 in Deutschland für die Angabe der Kraft unzulässig und wurde durch das Newton ersetzt. 1 kp ist die Krafteinheit mit der eine Masse von 1 kg auf ihren Aufhängungspunkt einwirkt.

Kraftliner

Kraftliner hat einen hohen Anteil neuwertiger Papierfasern und nur einen geringen Recyclinganteil. Kartonage aus Kraftliner hat eine hohe Festigkeit und Widerstandsfähigkeit.

Kugeltest

Zur Ermittlung der Klebrigkeit rollt eine Stahlkugel von einer schiefen Ebene auf die Kleberseite. Je kürzer der Weg ist, den die Kugel darauf zurücklegen kann, umso klebriger ist der Kleber. Der Kugeltest wird in Zentimetern gemessen. Der Test ist sehr umstritten, da keine genauen Daten erfasst werden können.

Lagerfähigkeit

Zeit zwischen dem Versanddatum ab Lieferwerk und dem Zeitpunkt, bis zu dem der Klebstoff unter Einhaltung der vom Hersteller vorgeschriebenen Lagerbedingungen (Verpackung, Temperatur, Luftfeuchte) mindestens brauchbar bleibt.

Lagerung

Bei der Lagerung von Klebebändern ist zu beachten, dass die Bänder dunkel und bei einer Temperatur von ca. 18° C gelagert werden. Die meisten Klebebänder besitzen eine gute Alterungsbeständigkeit, sodass der Zeitfaktor eine geringere Rolle spielt.

Laminat

Verbundmaterial.

Lösemittel

Flüssigkeit, die die Grundstoffe und übrigen löslichen Klebstoffanteile ohne chemische Veränderung löst.

Lösemittelklebstoff

Klebstoff, der sich durch Verdunsten des Lösemittels verfestigt.

Materialdicke

Die Dicke des Trägerfilms und des Klebstoffauftrags. Klebebänder mit einem dickeren Trägerfilm haben auch einen vergleichsweise dicken Klebstoffauftrag und somit höhere Reißkraft und stärkere Schälkraft.

µ (mü) (engl. micron)

Buchstabe des Griechischen Alphabets. Die Maßeinheit, die vor allem im Bereich geringer Dicken bei Trägerfolien eine Rolle spielt. 1 µ ist = ein tausendstel Millimeter. (0,001 mm)

N (Newton)

Das Newton ist die Einheit der Kraft. Sie wurde nach dem englischen Wissenschaftler Isaac Newton benannt.

1N = 1kg x m/s2

Ein Newton ist die Kraft, die benötigt wird, um einen ruhenden Körper der Masse 1 kg innerhalb von einer Sekunde gleichförmig auf die Geschwindigkeit 1 m/s zu beschleunigen.

Anders gesagt: Ein Newton ist die Kraft, die benötigt wird, um einen Körper der Masse 1 kg mit 1 m/s zu beschleunigen.

Nassklebung

Klebung mit einseitigem oder beidseitigem Klebstoffauftrag, bei der die Fügeteile sofort nach Klebstoffauftrag zusammengefügt werden. Die Festigkeit nimmt mit fortschreitender Lösemittelverdunstung bzw. chemischer Reaktion zu.

Naturkautschukklebstoff

Klebstoff, bei dem die natürlichen Rohstoffe in Chemikalien aufgelöst werden. Die Lösung wird auf den Trägerfilm aufgetragen und die Lösemittel werden in einem Ofen verdampft. Der Film mit dem angetrockneten Klebstoff kann dann auf Rollen gewickelt werden.

Oberflächenvorbehandlung

Behandlung von Werkstoffoberflächen, um diese für die Klebtechnik reproduzierbar und definiert zu gestalten sowie die Haftung des Klebstoffs zu optimieren. Dafür stehen mechanische, nasschemische, trockenchemische und hochenergetische Verfahren zur Verfügung.

Offene-Zeit-Klebung

Klebung mit beidseitigem Klebstoffauftrag, bei der die Fügeteile zusammengefügt werden, wenn die Lösemittel soweit verdunstet sind (offene Zeit), dass die Klebschicht eine bestimmte Klebrigkeit aufweist (Knöcheltest). Gute Anfangsfestigkeit, die mit dem Verdunsten, z. B. der restlichen Lösemittelanteile, zunimmt.

Opak

Undurchsichtig, wichtig vor allem bei uv-beständigen Bändern.

PE

Abkürzung für Polyethylen. Einige Trägerfolien bestehen aus Polyethylen. PE-Kunststofffolien sind weich und extrem dehnfähig, besitzen eine hohe Dichtigkeit, jedoch nur geringe Reißfestigkeit. Polyethylen ist sehr empfindlich gegen UV-Strahlung. Dem Tageslicht ausgesetzt, verrottet Polyethylen von selbst, ohne Rückstände zu hinterlassen. Deshalb wird das Material als umweltfreundlich eingestuft. PE-Folien sind jedoch resistent gegen Lösungsmittel. Im Klebebandbereich sind sie für die Herstellung schwachhaftender Schutzfolien, für die unterirdische Rohrisolierung sowie für den Siebdruckbereich wichtig.

PET-Film

Sehr hohe Reiß- und Einreißfestigkeit zeichnen den Polyesterfilm aus. Selbst bei sehr geringen Dicken von 0,025 mm, ist der Film sehr schwer zu zerreißen. Außerdem ist das Material sehr beständig gegen hohen Temperaturen, Laugen, Säuren, Öle und zahlreiche Lösungsmittel. Daher spielen PET-Filme im Klebebandbereich eine sehr große Rolle, speziell in der Siebdrucktechnik sowie im Elektrosektor.

Polyimidfilm

Polymerfilm in braun-luzenter Färbung. Dieser Film ist sehr hitzebeständig und extrem reißfest. Polyimidbänder finden in der Elektroindustrie häufige Anwendung.

PP-Film

Aus Polypropylenfilmen werden in sehr großem Umfang Verpackungsbänder hergestellt. PP-Filme sind beständig gegen Laugen, Säuren und Lösungsmittel. Sie sind sehr reißfest und einreißfest, dazu außergewöhnlich preiswert. Da PP-Filme sehr empfindlich gegen UV-Strahlung reagieren, verrotten diese Filme im Freien, ohne Spuren zu hinterlassen. Aus diesem Grund gelten PP-Folienbänder als sehr umweltfreundlich.

Primer (siehe Haftvermittler)

PU

Abkürzung für Polyurethan-Kunststoff. Als Trägermaterial in Form von PU-Schaum spielt dieser Kunststoff eine große Rolle. Außerdem werden auch PU-Filme sowie Folien von extremer Dehn- und Reißfähigkeit hergestellt. PU-Schaum dient als Träger für Spiegelklebeband.

PVC-Folie

Vielfach dienen PVC-Folien als Träger für Klebebänder. Im Verpackungsbereich handelt es sich dabei um Hart-PVC-Folien, im Isolierbereich Weich-PVC-Folien. Hart-PVC-Folien sind sehr reißfest und gut bedruckbar. Grundsätzlich besitzen PVC-Folien eine gute UV-Stabilität. Klebebänder mit Trägern aus PVC-Folien werden darum häufig im Außenbereich eingesetzt.

Raumgewicht

Dichte. Das Raumgewicht (Rg) ist das Materialgewicht eines Kubikmeters (m3). Es wird in kg/m3 angegeben. Wichtig zur Bestimmung von Schäumen.

Reaktivierung

a) Lösemittelreaktivierung: Der trockene Klebstoff wird nach Anfeuchten mit einem geeigneten Lösemittel wieder klebrig.
b) Hitzereaktivierung: Der trockene Klebstoff wird unmittelbar vor der Klebung durch Wärme aktiviert.

Reißdehnung

Die maximale Dehnung, die das Klebeband erfährt, bevor es zerreißt. Wird zusammen mit der Reißkraft gemessen. Ein dehnbares Klebeband fängt den Stoß auf, wenn ein Karton fallen gelassen wird. Dadurch wird das Reißen des Klebebandes verhindert.

Reißfestigkeit

In der Regel wird die Reißfestigkeit mit einer Zugprüfmaschine ermittelt. Dabei werden beide Enden eines 25 mm breiten Klebebandes fest eingespannt, wonach eines der Enden dem anderen Ende entgegengesetzt und langsam mit einer genormten Geschwindigkeit gezogen wird, bis das Klebeband reißt. Die Kraft die dafür aufgewandt wird, wird in Newton (N) angegeben. Der Kleber spielt bei dieser Prüfung keine Rolle. Große Schwankungen treten jedoch häufig auf, da die fabrikationsbedingten Toleranzen der Träger eine entscheidende Rolle spielen. Aus diesem Grunde wird in der Regel ein Mittelwert von mindestens 20 Messungen als Reißfestigkeitswert angegeben.

Reißkraft

Die Kraft, die benötigt wird, um ein Klebeband zum Zerreißen zu bringen. Das Klebeband wird in Längsrichtung belastet und die gemessene Kraft in N/cm angegeben.

Rezyklierbarkeit

Das Verhalten einer Kartonverschlussmethode im Papier-Recyclingprozess und sein Einfluss auf die Qualität des recycelten Papiers. Laut einer Studie des PTS sind Klebebänder mit Folienträgern auf Kautschukbasis vorzuziehen.

Rückstellvermögen

Die Tendenz eines flexiblen Trägers nach seiner Ausdehnung auf seine ursprüngliche Länge zurück zu schrumpfen. Besonders zu beachten bei PP-Folienträgern.

Schälwiderstand

Angabe in N/cm: Zahlenangabe, um verschiedene Klebstoffe bezüglich ihres Schälwiderstands zu vergleichen.

Schälkraft

Die Kraft, die benötigt wird, um ein Klebeband von einer definierten Testoberfläche abzuziehen. Das Klebeband wird mit 180° abgezogen und die Kraft in N/cm gemessen.

Scherfestigkeit

Der Begriff der Scherfestigkeit eines Klebers ist mit dem der Kohäsion nahezu identisch: Scherfestigkeit bedeutet das Klebevermögen oder die Klebkraft bei Belastungen durch unterschiedliche Zuggewichte und meist erhöhte Temperaturen. Somit kann die Scherfestigkeit in Gewichts- oder Zeiteinheiten gemessen und definiert werden. Die Vorgehensweise ist Folgende: Ein Klebebandabschnitt wird an einem seiner Enden auf eine starre, fest montierte und polierte Stahlplatte geklebt. Daraufhin wird am anderen freien Ende des Klebebandes ein Gewicht befestigt. Durch Auswechseln und Erhöhen der Gewichte kann nun festgestellt werden, bis zu welchem maximalen Gewicht der Kleber auf der Stahlplatte hält, ohne dass das Klebeband durch das Gewicht nach unten gezogen wird, bevor es zunächst langsam abrutschend, „abscherend“, schließlich abfällt. Der gleiche Versuch bei unterschiedlichen Temperaturen gibt Aufschluss über das Verhalten (die Beständigkeit) des Klebers bei verschiedenen Temperatureinwirkungen.

Die Verweildauer eines Klebebandes unter Belastung auf einer definierten (oder kundenspezifischen) Oberfläche. Wird in Minuten angegeben, oft wird der Test bei 18 000 bis 20 000 Minuten abgebrochen.
Angabe in MPa oder N/mm2, Angabe der Festigkeit bei Schubbeanspruchung; Flächen werden überlappend aufeinander geklebt und dann belastet (auch Zug-Scherfestigkeit genannt).

Schmelzklebstoff

Klebstoff, fest, lösemittelfrei, der in der Schmelze aufgetragen wird und sich anschließend durch Abkühlung verfestigt.

Schmelzklebstoff reaktiv

Wie vorher, jedoch feuchtigkeitsvernetzend mit strukturellen Festigkeiten.

Silikonisieren

Silikon (chem. SI) ist eine nichtmetallische Verbindung, die nach dem Sauerstoff auf der Erde am häufigsten, wenn auch nur in Verbindung mit anderen Stoffen, vorkommt. Silikonverbindungen werden in Lösungsmitteln aber auch in Dispersionen gelöst. Sie werden in diesem gelösten Zustand dann auf Papiere, Folien und Filme aufgebracht und anschließend unter hohem Druck vernetzt. Silikonisierte Oberflächen sind sehr glatt und rutschig. Gebräuchliche Kleber finden auf Silikon keinen Halt. Hierzu benötigt man Silikonkleber.

Silikonkleber

Silikonkleber besteht aus synthetischen Polymeren mit gummiähnlichen Eigenschaften (Elastomeren), die zusammen mit organischen Silikonverbindungen einen Kleber von höchster Temperaturbeständigkeit und extremer Kältebeständigkeit ergeben. Silikonkleber haften als einzige auf silikonisierten Folien und Papieren.

Solventklebstoff

Anderer Name für Naturkautschukklebstoff

Spannungsrisskorrosion

Gefügeumwandlung, die bei gleichzeitig vorhandener Spannung zu Rissbildung führen kann.

Spezifisches Gewicht

Verhältniszahl, die das Gewicht pro Volumeneinheit eines Stoffs im Vergleich zu Wasser angibt.

Spleiße (engl. splice)

Aus dem Englischen übernommenes Wort. Bedeutet so viel wie Klebe- oder Flickstelle. In der Folien-, Papier- und Pappindustrie sehr gebräuchlich. Spleiße werden in diesen Industrien zur Endlosmachung von Papier- oder Folienbahnen verwendet. Hierzu werden verschiedene Spleißbänder eingesetzt.

Synthesekautschukklebstoff

Synthetischer Klebstoff, bei dem die Rohstoffe in einer Schmelze aufgelöst werden. Die Schmelze wird auf den Trägerfilm aufgetragen und über Rollen abgekühlt. Der Film mit dem erkalteten Klebstoff kann dann auf Rollen gewickelt werden.

Teleskopieren

Trichterförmiges, teleskopartiges Herausschieben eines Klebebands, hervorgerufen durch starken inneren Druck. Das Band schiebt sich seitlich heraus, da es durch die oben liegenden Klebebandschichten nicht nach oben und durch den festen Kern nicht nach unten ausweichen kann. Diese Deformation, die die Klebereigenschaften nicht beeinflusst, entsteht durch zu stramme Wicklung während der Herstellung des Klebebandes oder durch ein späteres Aufquellen, wenn das Klebeband ungeschützt hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist.

Temperaturbereich

Bei steigenden Temperaturen steigt die Klebrigkeit und sinkt die Klebkraft von Klebebändern (ausgenommen wärmehärtende Kleber). Bei fallenden Temperaturen geht zwar die Klebrigkeit zurück, die Klebkraft steigt jedoch nur im Bereich mittlerer Temperaturen von ca. 18° C bis 25° C. Wenn Klebebänder kalt gelagert werden, müssen sie zu ihrer Verarbeitung wieder auf Raumtemperatur von ca. 20° C gebracht werden.

Temperatureinsatzbereich

Temperaturbereich, in dem die ausgehärtete Klebschicht Dauerbelastungen standhält. Die Höhe der möglichen Belastung ist abhängig von der Temperatur.

Träger

Das Material, auf dem der Kleber aufgetragen wird. Das sind in der Regel Folien, Gewebe oder Papier.

Trägerfilmdicke

Die Dicke des Trägerfilms bei Klebebändern. Ein dickerer Trägerfilm hat eine höhere Reißkraft und kann somit stärker belastet werden.

Trennlage (engl. liner)

Ein Film, eine Folie oder ein glattes Papier, das einseitig oder doppelseitig silikonisiert und somit kleberabweisend ist. Trennlagen müssen zwischen den einzelnen Klebebandlagen liegen, wenn der Kleber auf dem eigenen Träger zu fest oder sogar kaltverschweißend (Butylkleber) haftet. Bei zweiseitig klebenden Bändern muss die Trennlage auch stets zweiseitig silikonisiert sein.

UV-Strahlung

Im Sonnenlicht enthalten. Sie setzt in Kautschuk- und Heißschmelzklebern eine chemische Reaktion in Gang, die die molekulare Struktur in kürzester Zeit, im Extremfall sogar in Minuten zerstören kann. Klebebänder mit diesen Klebern müssen daher immer dunkel gelagert werden. Direkte Sonneneinstrahlung oder Außenwitterung sind unbedingt zu vermeiden. Weitgehende Beständigkeit gegen UV-Strahlung weisen Acryl- und Butylklebebänder auf.

Verarbeitungszeit

Zeitspanne zwischen Zugabe des Härters zur Basis und dem Augenblick, in dem die Phase der Polymerisation so weit fortgeschritten ist, dass der angemischte Klebstoff nicht mehr verarbeitet werden kann.

Viskosität

Die Viskosität ist immer in Messzahlen angegeben und sagt etwas aus über die Zähigkeit und den inneren Widerstand einer Flüssigkeit.

Verbundmaterial (engl. laminate)

Unterschiedliche Träger werden unlösbar zusammengefügt (laminiert), wobei die Addition der jeweiligen Eigenschaften einen optimal geeigneten Gesamtträger ergibt.

Vernetzung

Die chemische Veränderung der Molekularketten von Substanzen. Das heißt, die ursprünglichen Molekularketten werden dreidimensional zu einem Netzwerk verknüpft. Die Vernetzung von Klebern soll die Adhäsion und Kohäsion steuern und die Resistenz der Kleber gegenüber chemischen und thermischen Einflüssen erhöhen.

Wärmehärtend

Besondere Eigenschaft eines Klebers bei Hitzeeinwirkung an Härte und Klebkraft zuzunehmen. Anwendung finden wärmehärtende Bänder in der Elektrotechnik, bei der Herstellung von Kondensatoren und in der Spulenwicklung.

Weichmacher

Substanzen, die Kunststoffen beigegeben werden, um eine verringerte Härte bzw. erhöhtes Formänderungsvermögen zu erzielen.

Weichmacherwanderung

Übergang von Weichmachern, z. B. aus Kunststoffen, in angrenzende Klebstoffschichten. Folge: Versprödung des Kunststoffs und Eigenschaftsänderung im Klebstoff.

Werkstattzeit

Zeitspanne, in der ein gekühlt zu lagernder Klebstoff maximal unter Werkstattbedingungen (20 – 25° C) verarbeitet werden kann, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Klebstoff, der sich durch Verdunsten des Lösemittels verfestigt.

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